Wenn es nicht klappt
Krankes Baby nachts: Schnupfen, Fieber und Bauchweh
Ein krankes Baby schläft schlecht, und schlechter Schlaf verzögert die Genesung. Dieser Kreislauf ist der Grund, warum ein banaler Schnupfen eine ganze Woche kippen kann.
Der wichtigste Teil dieses Textes steht ganz oben, weil er im Zweifel keine Zeit zum Suchen lässt. Danach geht es um das, was du bei Schnupfen, Fieber und Bauchweh nachts konkret tun kannst.
Wann du ärztlichen Rat brauchst, unabhängig von der Uhrzeit
Bei Säuglingen unter drei Monaten gilt: ab 38,0 Grad rektal gemessen sofort ärztlich abklären lassen, auch wenn dein Kind ansonsten fit wirkt. Das empfiehlt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. In diesem Alter kann sich eine ernste Infektion innerhalb weniger Stunden entwickeln, und ein junger Säugling zeigt oft keine deutlichen Symptome.
Unabhängig von Alter und Temperatur gehört ärztlich abgeklärt:
- Dein Kind trinkt nicht mehr ausreichend oder verweigert die Nahrung
- Es wirkt auffallend schlapp, teilnahmslos oder lässt sich schwer wecken
- Hautveränderungen, Ausschlag oder veränderte Hautfarbe
- Anhaltendes Erbrechen oder Durchfall, weil Säuglinge sehr schnell austrocknen
- Grünliches oder gelbliches Erbrochenes
- Auffällige Atmung, etwa sehr schnelles Atmen oder eingezogene Rippenzwischenräume
- Ein Fieberkrampf
- Dein Bauchgefühl sagt dir, dass etwas anders ist als sonst. Das ist ein ernst zu nehmender Befund
Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Bei akuter Bedrohung wählst du den Notruf 112.
Das Wichtigste in Kürze
- Unter drei Monaten liegt die Fiebergrenze bei 38,0 Grad, ab dem dritten Monat bei 38,5 Grad
- Rektal messen ist am genauesten. Ohr- und Stirnthermometer liegen etwa 0,5 Grad darunter
- Keine Wadenwickel bei Säuglingen, sie wirken zu stark auf den Kreislauf
- Niemals Acetylsalicylsäure bei Kindern. Fiebermittel nur nach ärztlicher Rücksprache
- Bei Schnupfen hilft eine leicht erhöhte Kopfposition, Meersalzlösung und ein Nasensauger
Krank oder nur eine Phase?
Verändertes Schreien, Unruhe abends, schlechter Schlaf. Diese Zeichen passen auf einen Infekt, aber genauso auf einen Entwicklungssprung oder aufs Zahnen. Die Unterscheidung gelingt über die Begleitzeichen.
Für einen Infekt sprechen heiße Stirn, gerötete Wangen, starkes Schwitzen, Husten, Niesen oder eine verstopfte Nase. Wenn dein Kind sich immer wieder ans Ohr fasst oder daran reibt, kann eine Mittelohrentzündung dahinterstecken. Die ist bei kleinen Kindern häufig, sehr schmerzhaft und gehört in ärztliche Behandlung. Flüssigkeit oder Geruch aus dem Ohr sind ein deutliches Zeichen.
Ein Sonderfall ist der sogenannte Säuglingsschnupfen: Milchreste, die nach dem Trinken im Nasen-Rachenraum zurückbleiben und die Nase belegt klingen lassen. Das ist harmlos und kein Infekt. Der Unterschied zeigt sich meist daran, dass keine weiteren Symptome dazukommen.
Fieber richtig einordnen
Fieber ist zunächst eine sinnvolle Reaktion. Der Körper erhöht die Temperatur, um Erreger zu bekämpfen. Der Wert allein sagt deshalb wenig, ab welchem Alter er aber ernst zu nehmen ist, sagt sehr viel.
| Alter | Fieber ab | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| 0 bis 3 Monate | 38,0 °C rektal | Immer sofort ärztlich abklären, auch ohne weitere Symptome |
| 3 bis 12 Monate | 38,5 °C rektal | Allgemeinzustand beobachten, bei schlechtem Zustand oder Trinkverweigerung zum Arzt |
| ab 12 Monaten | 38,5 °C rektal | Der Allgemeinzustand zählt mehr als der Messwert |
Werte für die rektale Messung, die bei Säuglingen am genauesten ist. Ohr- und Stirnthermometer zeigen typischerweise etwa 0,5 Grad weniger an. Angaben nach Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte und kindergesundheit-info.de.
Was du nachts tun kannst, wenn dein Kind fiebert und ärztlich abgeklärt ist oder das Alter es zulässt: Nicht zu warm einpacken, das ist der häufigste Fehler. Viel anbieten zu trinken, Brust oder Fläschchen bei jedem Aufwachen. Und Ruhe, denn Schlaf ist Teil der Genesung.
Was du nicht tun solltest: Wadenwickel gehören bei Säuglingen nicht dazu, sie wirken zu stark auf den Kreislauf. Acetylsalicylsäure ist bei Kindern grundsätzlich tabu, weil sie eine seltene, aber schwere Erkrankung auslösen kann. Paracetamol kommt frühestens ab drei Monaten und nur nach ärztlicher Rücksprache infrage, Ibuprofen in der Regel ab sechs Monaten. Dosiert wird nach Gewicht, nicht nach Alter, und ausschließlich mit der mitgelieferten Messhilfe.
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Paket ansehenNachts bei Schnupfen helfen
Ein verstopfte Nase ist für ein Baby ein größeres Problem als für uns. Neugeborene atmen überwiegend durch die Nase, ist sie zu, wird jedes Trinken und jedes Einschlafen zur Anstrengung.
Was zuverlässig hilft:
- Kopfende leicht erhöhen. Nicht mit einem Kissen im Bett, sondern indem du die Matratze am Kopfende ganz leicht unterlegst. Kissen und lose Gegenstände gehören nicht ins Babybett
- Meersalzlösung. Ein paar Tropfen mit der Pipette in jedes Nasenloch lösen den Schleim. Es gibt fertige Präparate für Säuglinge
- Nasensauger. Kinder in diesem Alter können sich nicht schnauben. Ein manueller Sauger reicht völlig aus
- Luftfeuchtigkeit erhöhen. Ein feuchtes Handtuch über der Heizung wirkt mehr, als die meisten erwarten
Bei Husten können ein warmer Brustwickel und sanftes Klopfen auf den Rücken das Abhusten erleichtern. Wichtig: Erkältungsbalsame mit Menthol oder Kampfer sind bei Säuglingen und Kleinkindern nicht geeignet und können Atemprobleme auslösen. Achte auf die Altersangabe des Herstellers, und frag im Zweifel in der Apotheke nach.
Bauchweh und Verdauung
Blähungen, Verstopfung, Durchfall. Die Darmflora eines Säuglings ist noch nicht ausgereift, deshalb gehören gelegentliche Bauchbeschwerden zum ersten Jahr dazu. Häufig kommt die Luft im Bauch vom Trinken oder vom Schreien selbst.
Was oft hilft: Wärme, etwa ein warmes Bad oder eine Kirschkernkissenäuflage in verträglicher Temperatur, sanfte Bauchmassagen im Uhrzeigersinn und das Radfahren mit den Beinchen.
Häufiges Spucken nach dem Trinken deutet oft auf Reflux hin, also darauf, dass Mageninhalt zurück in die Speiseröhre fließt. Das ist bei Säuglingen verbreitet und meistens harmlos, kann aber Schmerzen verursachen und den Schlaf stören. Wenn dein Kind sich beim oder nach dem Trinken regelmäßig krümmt und schreit, sprich das bei der nächsten Untersuchung an.
Bei Durchfall gilt besondere Aufmerksamkeit: Säuglinge verlieren sehr schnell Flüssigkeit. Achte darauf, dass dein Kind ausreichend trinkt und die Windel regelmäßig nass wird. Wenn das nachlässt, ist das ein Grund für einen Anruf.
Schlafroutine im Ausnahmezustand
Eine Krankheit ist wie ein Entwicklungssprung ein Ausnahmezustand. Dein Kind versteht nicht, was in seinem Körper passiert, und es weiß vor allem nicht, dass es vorbeigeht. Was in dieser Phase hilft, ist Nähe und deine Stimme, nicht die Durchsetzung der gewohnten Abläufe.
Stell dich darauf ein, dass die Schlafsituation vorübergehend aus dem Lot gerät und dass selbst die sonst zuverlässigen Einschlafhilfen nicht greifen. Das ist normal und kein Rückschritt.
Behalte das Ritual trotzdem bei, auch in abgespeckter Form. Es ist nach der Genesung sofort wieder da, wenn du es nicht abgeschafft hast. Und richte deinen Alltag für diese Tage so weit wie möglich nach deinem Kind aus. Je schneller es gesund wird, desto schneller kommt der Rhythmus zurück.
Die Schlafumgebung anpassen
Regelmäßiges Lüften ist im Winter das Wichtigste. Heizungsluft trocknet die Schleimhäute aus, und trockene Schleimhäute schwellen leichter an und wehren Erreger schlechter ab.
Als Schlaftemperatur gelten 16 bis 18 Grad als guter Bereich. Der häufigste Fehler bei einem kranken Kind ist, es besonders warm halten zu wollen. Besser ist ein kühler Raum und passende Kleidung in mehreren Lagen. Ob dein Kind richtig temperiert ist, prüfst du im Nacken, nicht an Händen oder Füßen.
Wenn dein Baby stark schwitzt, wechsle die Bettwäsche häufiger. Und achte darauf, dass außer Schlafsack und Matratze nichts im Bett liegt, gerade wenn du wegen des Schnupfens etwas verändern willst.
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Ab welcher Temperatur muss ich zum Arzt?
Bei Säuglingen unter drei Monaten ab 38,0 Grad rektal, sofort und auch ohne weitere Symptome. Ab dem dritten Monat liegt die Fiebergrenze bei 38,5 Grad, hier zählt vor allem der Allgemeinzustand.
Wie messe ich Fieber bei einem Baby richtig?
Rektal mit einem Digitalthermometer mit flexibler Spitze, das ist bei Säuglingen am genauesten. Ohr- und Stirnthermometer sind bequemer, zeigen aber typischerweise etwa 0,5 Grad weniger an.
Sind Wadenwickel bei einem Baby sinnvoll?
Nein. Bei Säuglingen wird davon abgeraten, weil sie zu stark auf den Kreislauf wirken. Für ältere Kinder sind sie ein Thema, für Babys nicht.
Darf ich Nasentropfen geben?
Meersalzlösung ja, abschwellende Nasentropfen nur in der ausdrücklichen Säuglingsdosierung und nach Rücksprache. Präparate für Erwachsene sind für Babys ungeeignet.
Wie lange darf ein Baby fiebern?
Bei jungen Säuglingen gibt es kein Abwarten, dort gehört Fieber sofort abgeklärt. Bei älteren Babys ist Fieber über mehrere Tage, nicht sinkendes Fieber oder ein sich verschlechternder Allgemeinzustand ein Grund für einen Arztbesuch.
Mein Baby hat nach einer Impfung Temperatur
Leicht erhöhte Temperatur in den ersten Tagen nach einer Impfung ist eine bekannte Reaktion und meist harmlos. Wenn du unsicher bist oder dein Kind schlecht beisammen wirkt, ruf trotzdem in der Praxis an.
Fazit
Merk dir aus diesem Text vor allem eine Zahl: Unter drei Monaten gehört Fieber ab 38,0 Grad sofort abgeklärt, ohne Abwarten und ohne weitere Symptome. Ab dem dritten Monat zählt der Allgemeinzustand mehr als der Messwert.
Bei Schnupfen helfen Meersalz, ein Nasensauger und ein leicht erhöhtes Kopfende. Und stell dich darauf ein, dass der Schlafrhythmus für ein paar Tage nicht funktioniert. Er kommt zurück.
Quellen
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: Empfehlung zu Fieber bei Säuglingen unter drei Monaten
- kindergesundheit-info.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, vormals BZgA: Fieber bei Babys und Kindern