Schreien und Weinen

Warum Babys beim Einschlafen weinen und was hilft

Von Carina Bauer, Autorin und Mutter. Zuletzt aktualisiert am 29.08.2026.

Weinendes Baby am Abend im Bett

Abends signalisiert unser eigener Rhythmus, dass jetzt Feierabend sein sollte. Noch schnell das Baby ins Bett, Küche aufräumen, hinsetzen. Und dann schreit es. Manchmal stundenlang, ohne dass irgendetwas erkennbar fehlt.

Dieser Text ordnet die häufigsten Gründe ein und trennt dabei zwei Situationen, die unterschiedliche Antworten brauchen: das abendliche Schreien vor dem Einschlafen und das nächtliche Aufschreien.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schreien ist in den ersten Monaten das einzige zuverlässige Kommunikationsmittel deines Kindes
  • Die häufigsten Gründe abends: Überreizung, Übermüdung, Hunger, Trennungsangst
  • Ein plötzlich untröstliches Baby, das sonst ruhig ist, gehört auf Fieber und Schmerzen geprüft
  • Nachts hilft Nähe oft mehr als Hochnehmen, weil Hochnehmen richtig wach machen kann
  • Ein Ortswechsel nach draußen bricht die Schreispirale häufiger als jede Methode im Zimmer

Warum Babys überhaupt schreien

Schreien ist unangenehm, und das ist kein Zufall. Es treibt den Puls hoch und signalisiert, dass etwas nicht stimmt. Genau dazu ist es da.

Ein Neugeborenes ist vollkommen hilflos. Es kann sich nicht fortbewegen, sich nicht wärmen, sich nicht selbst versorgen. Andere Körpersignale entwickeln sich erst mit der Zeit und sind schwer zu deuten. Schreien dagegen wirkt sofort und bei jedem in Hörweite. Evolutionär betrachtet ist es das zuverlässigste Werkzeug, das ein Säugling hat.

Das heißt auch: Ein schreiendes Baby ist kein Baby, das etwas falsch macht. Es benutzt das einzige Mittel, das ihm zur Verfügung steht.

Die Gründe am Abend

Weinen bedeutet bei einem Säugling immer, dass etwas nicht stimmt. Das kann eine Kleinigkeit sein oder Hunger, Schmerz oder Angst. Beim abendlichen Schreien vor dem Einschlafen kommen einige Ursachen besonders häufig vor:

Dass sich das jeden Abend wiederholt, heißt nicht automatisch, dass ein ernstes Problem vorliegt. Kinder finden je nach Temperament schneller oder langsamer in einen stabilen Rhythmus.

Was abends hilft

Der erste Reflex bei unerfahrenen Eltern ist die Checkliste: frisch gewickelt, gefüttert, nicht zu warm, nicht zu kalt. Das ist richtig und sollte auch die erste Runde sein. Gerade in den ersten Monaten lohnt es, bei Hunger noch einmal genauer hinzusehen, auch wenn die letzte Mahlzeit nicht lange her ist.

Wenn das alles geprüft ist und dein Kind trotzdem nicht zur Ruhe kommt, ist Tapetenwechsel meine wirksamste Empfehlung. Nicht mehr Maßnahmen im selben Zimmer, sondern raus. Ins Tragetuch, Jacke an, eine Runde um den Block. Draußen gibt es abends deutlich weniger Sinnesreize als drinnen, die gleichmäßige Bewegung tut den Rest.

Das funktioniert besonders gut, wenn sich ein Baby bereits eingeschrien hat und im Zimmer nichts mehr greift. Es unterbricht die Spirale, statt gegen sie anzuarbeiten.

Wenn du nicht mehr kannst

Es ist normal, dass anhaltendes Schreien an die Grenze bringt. Wichtig ist nur, was du in diesem Moment tust: Leg dein Baby an einem sicheren Ort ab, etwa in sein Bett, geh aus dem Raum und atme durch. Ein Baby ein paar Minuten allein weinen zu lassen ist ungefährlich. Die Kontrolle zu verlieren ist es nicht.

Ein Baby darf niemals geschüttelt werden. Säuglinge können ihren Kopf noch nicht selbst halten. Schütteln kann zu schweren, bleibenden Hirnschäden und zum Tod führen, auch wenn es nur wenige Sekunden dauert.

Hilfe bekommst du hier:

  • Elterntelefon der Nummer gegen Kummer, kostenlos und anonym: 0800 111 0 550, Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr, Dienstag und Donnerstag bis 19 Uhr
  • Krisentelefon des kbo-Kinderzentrums speziell für Eltern schreiender Säuglinge: 0800 710 09 00, am Wochenende abends zwischen 19 und 22 Uhr
  • Telefonseelsorge, rund um die Uhr: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst außerhalb der Sprechzeiten: 116 117
  • Schreiambulanzen und Beratungsstellen in deiner Nähe findest du über elternsein.info vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen

Wenn sich das jeden Abend wiederholt

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Wenn das Baby nachts schreit

Nachts kommt zum Aufwachen etwas dazu: Dunkelheit und das Gefühl, allein zu sein. Für ein Baby ist das eine unangenehme Kombination, und auch hier steckt die Evolution dahinter. Ein Säugling, der allein im Dunkeln aufwacht, geht in Alarmbereitschaft.

Der Schlüssel ist Nähe, aber dosiert. Sofort hochnehmen ist gut gemeint und macht viele Kinder erst richtig wach. Versuch es zuerst mit leisem Sprechen, mit einer Hand auf dem Bauch, mit Streicheln. In vielen Fällen reicht das, damit dein Kind sich versichert fühlt und weiterschläft. Erst wenn das nicht wirkt, nimmst du es hoch.

Manche Babys wimmern im Schlaf oder schrecken schreiend auf und wirken dabei fast abwesend. Das können schlechte Träume sein. Wir Erwachsenen finden nach ein paar Sekunden in die Realität zurück, ein Baby kann die Situation nicht einordnen und braucht länger. Wenn es danach von selbst weiterschläft, lass es schlafen.

Schmerz, Fieber und Zahnen

Ein Kind, das sonst ruhig ist und plötzlich untröstlich weint, ist ein anderer Fall als ein Kind, das jeden Abend schreit. Hier lohnt der Blick auf körperliche Ursachen.

Fieber ist der naheliegendste Verdacht. Heisse Stirn, gerötete Wangen, unruhiger Schlaf. Messen schafft Klarheit, schätzen nicht. Welche Temperatur in welchem Alter noch normal ist, unterscheidet sich, und im Zweifel ist ein Anruf beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 der richtige Schritt.

Zahnen ist der zweite Klassiker. Zähne kommen bevorzugt abends und nachts, und sie können auch leichtes Fieber auslösen. Ob etwas im Anmarsch ist, lässt sich manchmal ertasten, aber nicht immer. Ein Hinweis ist vermehrtes Kauen auf allem, was in Reichweite kommt.

Mehr zum Umgang mit einem kranken Kind in der Nacht steht im Artikel über Schnupfen und Fieber.

Wenn dich das Schreien fertigmacht

Babygeschrei versetzt uns in Alarmbereitschaft, und dieser Stress potenziert sich, je länger es dauert. Irgendwann brennt eine Sicherung durch. Das ist keine charakterliche Schwäche, sondern eine normale Reaktion auf eine extreme Dauerbelastung.

Entscheidend ist, was dann passiert. Aggression darf sich nie gegen das Kind richten, weder verbal noch körperlich. Ein Baby spürt Anspannung und wird davon nicht ruhiger. Wenn du merkst, dass du kippst, leg dein Kind an einem sicheren Ort ab und geh raus.

Wenn ihr zu zweit seid, teilt euch nicht nach Fairness auf, sondern danach, wer heute mehr Reserven hat. Wenn du allein bist, organisier dir jemanden für die schwierigen Phasen, bevor du an die Grenze kommst und nicht danach.

Die Einschlafsituation schrittweise ändern

Tragen, singen, schaukeln, jeden Abend eine Stunde. Irgendwann geht das an die Substanz, und dann ist es legitim, etwas zu ändern. Ab etwa vier Monaten kommen viele Kinder ohne aufwändige Einschlafhilfe zur Ruhe, manche sogar leichter, wenn nicht ständig jemand um sie herum aktiv ist.

Wichtig ist, nicht von einem Tag auf den anderen umzuschalten. Beginn mittags oder vormittags, denn zu dieser Zeit finden Babys am leichtesten in den Schlaf, und der Druck ist geringer als abends.

  1. Statt zu tragen und vorzusingen legst du dein Kind wach ins Bett, in eine ruhige, gedämpfte Umgebung
  2. Du bleibst daneben und streichelst, bis es eingeschlafen ist. Bei Bedarf mit Schnuller oder Schnullertuch
  3. Wenn das ein paar Tage läuft, ziehst du dich während des Einschlafens langsam etwas zurück
  4. Danach probierst du, den Raum zu verlassen, wenn dein Kind schon fast schläft
  5. Was mittags funktioniert, lässt sich meist nach ein bis zwei Wochen auch abends anwenden

Jeder Schritt bekommt mehrere Tage, und du gehst erst weiter, wenn der aktuelle Stand ruhig läuft. Zu schnell vorzugehen kostet dich am Ende mehr Zeit als der langsame Weg.

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Häufige Fragen

Warum schreit mein Baby jeden Abend zur selben Zeit?

Meist steckt eine Kombination aus Überreizung und Übermüdung dahinter. Sieh dir an, wann das letzte Tagschläfchen endet und wie voll der Nachmittag ist. Oft löst sich das über den Tagesablauf und nicht über den Abend.

Mein Baby schreit im Schlaf auf und schläft dann weiter

Das kommt vor und ist meist harmlos, oft steckt ein Traum oder ein Schlafübergang dahinter. Wenn dein Kind von selbst weiterschläft, lass es schlafen und wecke es nicht zum Trösten.

Soll ich mein Baby nachts sofort hochnehmen?

Nicht als Erstes. Versuch zuerst leises Sprechen und Streicheln, das reicht häufig. Hochnehmen kann ein halb schlafendes Kind richtig wach machen und den Einschlafvorgang von vorn beginnen lassen.

Wann muss ich zum Arzt?

Wenn dein sonst ruhiges Kind plötzlich untröstlich schreit, bei Fieber, bei Veränderungen des Trinkverhaltens oder wenn du das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Ist es schlimm, wenn ich genervt bin?

Nein, das ist eine normale Reaktion. Entscheidend ist nur, was du in dem Moment tust. Baby sicher ablegen, Raum verlassen, durchatmen, und dir Unterstützung holen, bevor es das nächste Mal so weit kommt.

Fazit

Abendliches Schreien hat meistens mit Überreizung, Übermüdung oder Hunger zu tun und löst sich häufiger über den Tagesablauf als über den Abend selbst. Wenn im Zimmer nichts mehr greift, ist ein Ortswechsel nach draußen der wirksamste einzelne Schritt.

Nachts gilt: erst Nähe, dann Hochnehmen. Und bei einem sonst ruhigen Kind, das plötzlich untröstlich ist, gehört der Blick auf Fieber und Schmerzen dazu.